Endlich angekommen! - Mohammads Weg zum neuen Job

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„Gibt es hier einen Job für mich?“ „Wie läuft das mit der Weiterbildung?“ „Habe ich als Migrant überhaupt eine Chance, einen Platz zu bekommen?“ Fragen wie diese beantwortet Mohammad den Besucherinnen und Besuchern der Jobmesse in Nürnberg gerne. Im locker geknöpften weißen Hemd, stets ein freundliches Lächeln auf den Lippen, gelassen, hilfsbereit, auf Deutsch oder Arabisch: Mohammad, Mitarbeiter des Bildungsdienstleisters co-check GmbH, macht den Menschen Mut. Er ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass man es mit Fleiß, Lernwille und Optimismus auf dem deutschen Arbeitsmarkt schaffen kann.

Kaum zu glauben, dass Mohammad vor kaum einem halben Jahr selbst noch ohne Mut und Hoffnung war. Ende Mai 2019 nahm der 25-jährige als einer der ersten Kundinnen und Kunden an unserem AVGS-Angebot „FIFaA – Frühzeitige Integrationsunterstützung für anerkannte Asylbewerber“ an unserem neuen Standort in Roth teil. Der frischgebackene Vater war verzweifelt. Trotz intensivster Bemühungen und fast 50 selbstverfassten Bewerbungen, hatte er immer noch keine Chance auf eine Anstellung in seinem Beruf als Kaufmann für Büromanagement erhalten. Der gebürtige Syrer flüchtete – wie viele seiner Landsleute – 2015 vor dem Krieg nach Deutschland. In seinem Herkunftsland hatte er die Handelsschule besucht, einen kaufmännischen Abschluss erworben und anschließend Ökonomie studiert. Das Studium musste er jedoch kriegsbedingt abbrechen.

Bereits kurz nach seiner Ankunft setzte er fleißig alles daran, Deutsch zu lernen, Arbeit zu finden und ein eigenständiges Leben aufzubauen. Nach einiger Anstrengung konnte er seine Ehefrau im Rahmen des Familiennachzugs aus dem Krisengebiet nach Deutschland holen. Mohammad war in mehreren Firmen als Produktionshelfer tätig, erlangte das B1 Sprachzertifikat und schaffte es, seine Zeugnisse prüfen zu lassen. Er erhielt die Anerkennung der teilweisen Gleichwertigkeit durch die IHK FOSA für den Beruf des Kaufmanns für Büromanagement. Demnach fehlten ihm lediglich sechs Monate Praxiserfahrung in einigen Teilbereichen. Mohammad fasste neuen Mut und begann erneut Bewerbungen zu schreiben. Doch nichts bewegte sich. Nicht eine Einladung.

Als Mohammad bei ingeus ankam, hatte er schon fast alle Hoffnung aufgegeben. Seine Frau hatte vor drei Wochen ihren Sohn geboren, als Haupternährer der Familie stand der junge Mann stark unter Druck. Eine dauerhafte Abhängigkeit von öffentlichen Geldern kam für ihn nicht in Frage. So wollte er nun entweder eine neue Ausbildung in einer anderen Branche absolvieren oder eine Helfertätigkeit in der Fabrik beginnen.

Beraterin Angela Scheer zeigte Verständnis für seine Situation und die damit verbundene Dringlichkeit, bat aber auch um ein wenig Geduld. Sie sichtete seine Bewerbungsunterlagen und erarbeitete gemeinsam mit ihm ein neues ansprechendes und vor allem fehlerfreies Portfolio. Sie vereinbarte einen Beratungstermin bei der IHK, unterstütze ihn bei Behördengängen und so manchem persönlichen Anliegen. Solcherart entlastet konnte sich Mohammad mit neuer Energie voll auf den Bewerbungsprozess konzentrieren. Langsam aber sicher, kehrte sein Selbstwertgefühl zurück.

Hochmotiviert und mit aktuellen Bewerbungsunterlagen setzte sich Mohammad mit ingeus-Arbeitgeberkoordinatorin Zuzana Schindler zusammen. Mit ihrer Hilfe bekam er die Chance auf ein persönliches Vorstellungsgespräch für die Stelle des Büroassistenten bei der co-check GmbH.

Zuzana Schindler begleitete den aufgeregten Mohammad auf seinen Wunsch hin zu seinem Termin - und tatsächlich erhielt er die Chance auf ein dreiwöchiges Praktikum mit anschließender Option auf Übernahme in Festanstellung.

Mohammad war überglücklich und startete voller Freude und Dankbarkeit ins Praktikum. Zusätzlich begann er einen Abendkurs, um seine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Er war mehr als bereit, alles dafür zu tun, um das Praktikum erfolgreich abzuschließen und eine Anstellung in der Firma zu bekommen.

Heute, nur wenige Wochen später, treffen wir Mohammad auf der Jobmesse Nürnberg wieder. An seiner Seite ist Sabawon Nadjimi, stellvertretender Leiter der co-check GmbH, der voll des Lobes für seinen neuen Mitarbeiter ist und ihn bereits im Praktikum durch seine guten Leistungen und seine Einsatzbereitschaft überzeugen konnte. „Mohammad ist für uns ein absoluter Glücksgriff! Er packt mit an, bringt sich ein, ist selbstständig und proaktiv. Vor allem ist er kommunikativ und den Menschen gegenüber offen – versteht sich, dass er am Messestand gleich mitten im Trubel steht, zumal er mit seiner Geschichte und seinen Arabischkenntnissen punkten kann. Viele Teilnehmer*innen unserer Bildungsmaßnahmen haben selbst einen Fluchthintergrund. Mohammad macht ihnen Mut und zeigt ihnen am eigenen Beispiel, dass man es schaffen kann“, erklärt Sabawon Nadjimi und begründet zugleich warum Mohammad nun eine Anstellung in Vollzeit erhalten hat. Doch der junge Mann weiß auch, dass er noch viel lernen muss. Sowohl sprachlich als auch hinsichtlich des Systems in Deutschland.

Heute ist Mohammad stolz und froh, dass er nach den vielen Enttäuschungen und Rückschlägen endlich auf dem deutschen Arbeitsmarkt angekommen ist. Seine erste Frage an das ingeus Team in Roth war damals: „Wie können Sie mir helfen?“ Heute kann er, dank seines unglaublichen Engagements und tatkräftig unterstützt durch Jobcoach Angela Scheer, Arbeitgeberkoordinatorin Zuzana Schindler und den Kolleg*innen seines neuen Arbeitgebers, die Frage gleich selbst beantworten. Auf Deutsch und Arabisch, und stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

Foto Messe Meistersingerhalle: „Mohammad (3. von links) mit Sabawon Nadjimi von co-check (links) und den ingeus-Arbeitgeberkoordinatoren Helmut Stangl und Zuzana Schindler.“

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