LGBT-Regenbogen

Johanna als Transgender-Security in einem LGBT-Flüchtlingsheim

|   Erfolgsgeschichten

[BERLIN] – Wir glauben an die Einzigartigkeit jedes Einzelnen und unterstützen jeden Menschen dabei seine individuellen Stärken zu entdecken. Unsere Berater begegnen dieser Individualität tagtäglich auf so vielen verschiedenen Ebenen und begleiten jeden Kunden bei seinem persönlichen Weg in den Arbeitsmarkt.

Auch unsere Berliner Ingeus-Kundin Johanna ist einzigartig. Als Transgender hatte sie schon ihr ganzes Leben lang mit ihrem Anderssein zu kämpfen. Johanna ist eine Frau, die sehr offen mit ihrem Dasein umgeht. Das Selbstbewusstsein, mit dem sie anderen gegenüber auftritt, ist zugleich ihr wichtigster Schutzpanzer. Sie weiß genau was sie will und was sie nicht will. Aber sie ist auch sehr misstrauisch und verletzlich.

Johannas Geschichte bei Ingeus Berlin und den Wendepunkt in ihrem Leben erzählt unser Kollege Till Baeckmann, der über Wochen eng mit ihr zusammengearbeitet und behutsam und Stück für Stück die passenden Puzzleteile erarbeitet hat.

Ich war gerade erst ein paar Tage bei Ingeus als ich Johanna kennenlernte. In unserem ersten Gespräch erzählte sie mir und meiner erfahrenen Kollegin Nadja Gregory mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Angriffslust von ihrem Leben: Von ihrer Schulzeit, ihren Kindern, ihrem Berufswunsch und auch von ihren geschlechtsangleichenden Operationen.

Johanna war misstrauisch. Mir gegenüber. Uns gegenüber. Sie hatte bereits so oft die Intoleranz der Gesellschaft erfahren und sich so vielen Diskriminierungen ausgesetzt gefühlt, dass sie keinen Grund sah uns zu vertrauen.

Es war viel Anstrengung nötig, um zu verhindern, dass Johanna sich der Kommunikation nicht komplett verweigerte. In vielen Coachings und Einzelgesprächen konnte ich nach und nach ihr Vertrauen gewinnen und ihr zeigen, dass wir ihre persönlichen Fähigkeiten und ihre Charakterstärke anerkannten und weder ich noch sonst jemand bei Ingeus sie per se verurteilte.

Was ihre berufliche Zukunft betraf, so verfolgte Johanna beharrlich einen Traum: Sie wollte als Security arbeiten. Daran hing ihr Herz, einen anderen Beruf konnte und wollte sie sich nicht vorstellen. Sie hatte bereits alle erforderlichen Aus- und Weiterbildungen erfolgreich absolviert, von fachlicher Seite stand einer Karriere als Sicherheitsfachkraft also nichts im Wege. Eine großes oder stadtbekanntes Sicherheitsunternehmen kam für sie aber definitiv nicht in Frage, zu sehr fürchtete sie neue Diskriminierungen seitens der größtenteils männlichen Kollegen.

Was nun? Wir überlegten, arbeiteten mit dem Jobkompass, grübelten in der Ideenwerkstatt, ließen unsere Gedanken in den gemeinsamen Sitzungen in jede erdenkliche Richtung schweifen – keine Form der Aktivierung brachte eine ernstzunehmende Alternative zutage. 

Also gingen wir zurück zum Ursprung. Seit unseren ersten Treffen kreiste ein Gedanke immer wieder in unseren Köpfen: Die Arbeit als Security in einem LGBT-Flüchtlingsheim (Lesbian Gay Bisexual Transgender) in Berlin. Wir machten uns auf die Suche nach Bewerbungsmöglichkeiten. Am Ende blieb nur die Initiativbewerbung bei einer Szene-Initiative, die kurz zuvor eine solche Unterkunft medienwirksam eröffnet hatte. 

Jetzt kam der wichtigste und zugleich schwierigste Teil: die Bewerbung. Johanna und ich rangen um jedes Wort, jeden Satz und jede Formulierung. Ihr zu vermitteln, was die Personalabteilung wissen muss und wissen soll und was außen vor bleiben kann,  war ein langwieriger Weg. Und ein wichtiger Prozess für Johanna, die durch die Zusammenarbeit erkannt hatte, dass es, um sich als Transgenderfrau stolz zu fühlen und selbstbewusst nach außen zu präsentieren, nicht nötig war in der Bewerbung detailliert auf ihre geschlechtsangleichenden Operationen einzugehen.

An dem Tag als die Einladung zum Vorstellungsgespräch eintraf, fiel uns ein Stein vom Herzen. Als dem Gespräch die Einladung zum Probearbeiten und daraufhin das Angebot für einen Vollzeitvertrag kam, hätte die Freude bei Johanna und mir nicht größer sein können.


Sie ist endlich angekommen. Beruflich und innerlich. 

 

Fotorecht: shutterstock -  © oksanka007

zurück