Marc Hanke - ingeus GmbH

Marc Hanke im Interview: „Man wird immer dahingeführt, wo man sich einbringen und Gutes bewirken kann.“

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Marc Hanke ist einer der Männer der ersten Stunde bei der ingeus GmbH. Als vor 15 Jahren das Unternehmen seine Aktivitäten in Deutschland aufnahm, war er dabei und half Menschen bei der beruflichen (Neu)Orientierung. Vor neun Jahren hat er die Geschäftsleitung übernommen und begleitet seitdem die geschäftliche Entwicklung von ingeus intensiv aus der Helikopterperspektive. Heute ist er mit großer Leidenschaft immer noch dabei. Anlässlich seines Dienstjubiläums haben wir ihn um ein persönliches Interview gebeten:

Hallo und willkommen. Danke, dass du dem heutigen Interview zugestimmt hast und es dadurch auch den Leuten da draußen ermöglichst, ein wenig von dem Mann kennenzulernen, mit dem wir tagtäglich zusammenarbeiten. Erzähl doch bitte von einer Erfahrung, die dein Leben nachhaltig verändert hat.

Es gibt so viele (lacht). Aber richtig und tiefgreifend war schon der Zivildienst. Ich habe für 15 Monate in einem Kindergartengearbeitet. Dort gab es auch Kinder, die körperlich stark eingeschränkt waren. Ich habe dort den sechsjährigen Max* betreut. Er war geistig und auch von der Körperkontrolle auf dem Stand eines Einjährigen - körperlich war er aber viel kräftiger und ist immer in Bewegung gewesen. Nichtsdestotrotz war er ein so lieber Junge und voller Freude. Er hat immer gelacht. Das hat mir gezeigt wie wertvoll das Leben ist und wie dankbar man sein sollte, wenn man vergleichsweise „normal“ durchs Leben gehen kann - aber auch wie wertvoll jedes einzelne Leben ist und dass man auch mit massiven gesundheitlichen Einschränkungen glücklich sein kann.

Du bist seit 15 Jahren ein Teil von ingeus - herzlichen Glückwunsch! Kannst du dich noch daran erinnern, wie für dich alles damals angefangen hat?

Dankeschön! Ja, also im Jahr 2004 habe ich mein Studium der Ethnologie, Religionswissenschaft, Politologie und VWL abgeschlossen. Damals hat der Arbeitsmarkt allerdings in einer Krise gesteckt. Dementsprechend gestaltete sich die Jobsuche schwierig. Ich habe mich für alles Mögliches beworben, viele Absagen erhalten und manchmal sogar gar keine Antwort, nicht mal für ein Praktikum. Ich habe bestimmt um die 100 Absagen bekommen, (lacht) die noch in einem Ordner bei mir zuhause liegen. Grundsätzlich bin ich nicht der Typ Mensch, der schnell verzweifelt und ich glaube immer, dass alles einen Sinn hat. Aber nach anderthalb Jahren und mit diesen vielen Absagen war es schon heftig.

Eines Tages habe ich eine bunte Anzeige in der Süddeutschen Zeitung gesehen. Es war die von ingeus und darin stand, dass ingeus für Nürnberg Jobcoaches suchen, Quereinsteiger willkommen. Ich habe mich beworben, obwohl ich eigentlich nie ins Büro wollte und mir Arbeitsvermittlung nur wenig gesagt hat. Es klappte und ich wurde zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Damals hatte die Firma noch keine eigenen Räumlichkeiten, deshalb fanden die Gespräche in einem Service Office statt. Das Auswahlverfahren verlief gut und ich erhielt eine Zusage. Das war mein erster Job nach der Uni jenseits meiner Tätigkeiten als Landschaftsgärtner – diese Berufsausbildung machte ich nach meinem Zivildienst. Sie hat mir bis zu meinem Beginn bei ingeus stets als Brotjob gute Dienste erwiesen, auch während meines Studiums.

Wie war das für dich Jobcoach zu sein?

Es hat sich von Anfang an richtig und natürlich angefühlt. Alles fügte sich irgendwie zusammen, obwohl ich den Beruf für mich vorher so nicht gesehen hatte. Man wird immer dahingeführt –bewusst oder unbewusst –, wo man sich einbringen und Gutes bewirken kann. So war es bei mir und daran glaube ich auch heute noch.

Für dich ging es bei ingeus Schritt für Schritt nach oben und nun bist du als Geschäftsführer tätig. Welche Skills werden deiner Meinung nach dabei benötigt?

Als Geschäftsführer ist es meine Aufgabe die richtigen Menschen zusammenzubringen, also zum einen ins Unternehmen zu holen und zum anderen sie in einem Team zusammenzubringen. Das Potential eines Menschen zu erkennen, was er oder sie kann oder wo jemand gut hineinpassen könnte, hat mir schon als Jobcoach Spaß gemacht und das mache ich jetzt, sozusagen „intern“, innerhalb der Organisation.

Unerlässlich ist außerdem die Fähigkeit den Überblick zu bewahren. Dazu gehört zum Beispiel auf die Situation drauf zu gucken und dabei sich oder sein Ego auch hintanstellen zu können. Damit gekoppelt ist die Fähigkeit gut priorisieren zu können. Man sollte in der Lage sein, zeitnah zu erkennen, ob ein Vorhaben erfolgreich sein wird - oder eben nicht.

Wichtig ist insbesondere auch die Werteorientierung, weil es für den unternehmerischen Erfolg wesentlich ist. Es geht auch darum, wie du die Balance aus Interessen der Eigentümer*innen, der Auftraggeber*innen, der Kund*innen und der Mitarbeiter*innen herstellst. Manchmal können diese durchaus gegenläufig sein. Also gilt es, teilweise divergierende Interessen ausgleichen, so dass möglichst Viele, und bestenfalls Alle, gerecht bedient werden.

Was gefällt dir so an dieser Rolle beziehungsweise was macht dir am meisten Spaß?

Die Arbeit an sich macht natürlich Spaß, sonst hätte ich die Geschäftsführung vor neun Jahren nicht übernommen. Ich finde es auch großartig zu sehen, wie die Menschen sich weiterentwickeln. Also sowohl die Kund*innen, deren Entwicklung ich jetzt natürlich nur noch indirekt durch unsere Erfolgsgeschichten mitbekomme, als auch die persönliche und berufliche Entfaltung unserer Mitarbeiter*innen.

Bei den Mitarbeiter*innen kommt es oft vor, dass ich beispielsweise Potential für Führung von Anfang an vermute, die Person aber sagt „Nein, ich kann das nicht oder das habe ich nicht gelernt“. Dann übernimmt diese Person ein Projekt oder eine Verantwortlichkeit und macht das gut. Ich bin dann total zufrieden, wenn sie erleben, dass sie doch alles können.

Hast du zwischendurch schon mal über einen Wechsel nachgedacht?

Aber natürlich und etwas anderes zu behaupten, wäre gelogen (lacht). Also nach 15 Jahren in der ähnlichen Tätigkeit im selben Unternehmen ist der Wunsch sich umschauen zu wollen normal, finde ich. Aber ich erlebe hier so viel Schönes und Gutes. Ich mag die tollen Kolleg*innen, die Unternehmenskultur und die gelebte Diversität, so dass ich den Gedanken nie konkret weiterverfolgt habe. Manchmal wird einem auch erst bewusst, wie gut man es doch hat, wenn man gedanklich vor einer solchen Entscheidung steht und sein letztes Jahr Revue passieren lässt.

Bezogen auf die aktuelle Situation, wie hat Corona deinen beruflichen Alltag verändert?

Wie andere Menschen habe auch ich gemerkt, dass Vieles auch anders geht. Es war mir privat möglich, mich mehr mit mir selbst auseinanderzusetzen, den Blick nach innen zu richten.

Beruflich hat der Digitalisierungsschub in der Firma auch seine Schattenseiten gebracht. Früher habe ich ab und zu einen Videocall gemacht, heute verbringe ich an manchen Tagen bis zu sechs Stunden in verschiedenen Online-Meetings – was meines Erachtens anstrengender als persönliche Meetings ist. Früher war ich oft auf Dienstreisen - manchmal sogar zweimal in der Woche. Jetzt lässt sich doch einen großen Teil der Arbeit online erledigen und man muss nicht gleich überall hinfahren, was nicht nur die Umwelt, sondern auch die persönlichen Kräfte schont.

Welche Veränderungen und Herausforderungen sind in der nächsten Zeit zu erwarten und worauf können wir uns bei ingeus einstellen?

Spannend wird es auf jeden Fall. Für uns sollte es erstmal darum gehen, wie wir unsere Dienstleistung für unsere Auftraggeber*innen und die uns überantworteten Kund*innen bestens anbieten können. Aktuell funktioniert die hybride Beratung - also in Präsenz und online - sehr gut. Diese Konstellation beizubehalten wäre also vorteilhaft, denn wann und ob wir jemals ganz zur Präsenz zurückkehren können, ist bislang ungewiss. Es gilt also herauszufinden, wie sich das gesund unter einem Hut bringen lässt.

Ein persönliches Vorhaben hat mit dem Thema moderne Führung zu tun. Ich möchte zunehmend weg von hierarchischer Führung und ein Unternehmen so aufbauen, dass es nicht mehr so viel Führung braucht, sondern auf allen Ebenen stärker von Eigenverantwortlichkeit angetrieben ist. Wie könnte man es schaffen, den Anteil von hierarchischer Führung möglichst gering zu halten und gleichzeitig eigenverantwortliches Arbeiten zur Norm zu machen? Ein anderer Einsatz hat mit wechselnder Führung zu tun. Das finde ich in neuen Arbeitsmodellen spannend, wenn die Leitung oder Führung von der Expertise und vom Projekt abhängt, ganz so wie die persönlichen Fähigkeiten – Stichwort „New Work“.

Es kommt also noch einiges auf dich zu. Bei so viel Verantwortung, wie kommst du dann zur Ruhe beziehungsweise was tust du beim Nichts tun?

Also nichts tun ist schwer (lacht). Ich bin ein tendenziell mental dominierter Typ und im Kopf ist immer was los, was das nichts tun deutlich erschwert. Aber meistens habe ich ein Buch oder - zu oft leider - mein Smartphone in der Hand. Meditation finde ich, wie Gartenarbeit, gut zum Abschalten. Natürlich gehe ich auch gerne Wandern oder Rad fahren, liebe Reisen und Thermen und die Zeit mit meiner Familie Das alles zusammen hilft mir dann herunterzukommen und neue Kräfte zu sammeln.

Danke für das Interview.

 

*Name von der Redaktion geändert

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