Beruflicher Start in Deutschland: mit A2‑Deutsch und fast sechzig Jahren

Erfolgsgeschichten
Beruflicher Start in Deutschland: mit A2‑Deutsch und…

Im Juni 2024 kam Frau B. zum Ingeus‑Team in Köln. Eine zarte, warmherzige Frau, fast 60 Jahre alt. Sie war vor dem Krieg aus Charkiw geflohen – zusammen mit ihren hochbetagten Eltern. Heute leben sie zu dritt in einem kleinen Zimmer in einem Hotel: ein einziges Fenster, ein gemeinsamer Flur, eine Küche für alle. Und dennoch – kein einziges Wort der Klage. Stattdessen Dankbarkeit. Eine stille, kraftvolle Dankbarkeit.

Sie sagte beim ersten Gespräch einen Satz, der uns bis heute berührt:

“Es ist Zeit, Deutschland DANKE zu sagen. Nicht nur mit Worten, sondern durch Arbeit, durch das Zahlen von Steuern. Man kann nicht jahrelang Deutsch lernen und vom Jobcenter leben. Als ich im Juni 2024 zu Ingeus kam, hatte ich nur A2. Ich hatte Angst, überhaupt ein Wort Deutsch laut auszusprechen. Diese Unsicherheit war furchtbar. Und dennoch – Ingeus hat mir eine Arbeitsaufnahme ermöglicht. Und dafür bin ich sehr dankbar.”

Am 22. Juli 2024 begann Frau B. ihre Arbeit in der Bettenaufbereitung in einer Kölner Klinik – Teilzeit, 20–25 Stunden pro Woche. Ihr Vertrag wurde letzten Sommer verlängert: ein zweites Jahr. Ein Moment, auf den sie sehr stolz war.

“Ja, die Arbeit ist nicht leicht. Und ich habe ohne ausreichende Sprachkenntnisse angefangen. Am Anfang habe ich mit meinem Chef, den Kolleginnen und Patienten über Google‑Übersetzer gesprochen. Und heute, nach anderthalb Jahren, habe ich keine Angst mehr. Ich spreche überall. Ich begleite Menschen zu Terminen und helfe als Übersetzerin. Ich hätte niemals gedacht, dass ich in meinem Alter so sicher sprechen kann!”

Frau B. verdient heute mehr als doppelt so viel wie zuvor mit dem Bürgergeld. Für sie bedeutet das vor allem Würde, Selbstständigkeit und die Freiheit, wieder durchzuatmen.

“In ukrainischen Telegram‑Kanälen sagen viele, es sei besser, beim Jobcenter zu bleiben. Das ist falsch! Ich arbeite 20–25 Stunden und verdiene das Doppelte. Man darf keine Angst haben. Man muss gehen, es ausprobieren – und es wird klappen!

Und dann lächelt sie – ein leises, stolzes Lächeln: Seit sie arbeitet, hat sie über 10 Kilo abgenommen. Nicht, weil sie musste. Sondern weil sie wieder lebt.

Doch ihr größter Wunsch bleibt unverändert: Frieden. Wenn die Lage es erlaubt, kehrt sie gemeinsam mit ihren Eltern in ihre Heimat zurück. Denn, wie sie sagt, ihr Herz bleibt in der Ukraine. Deutschland hat ihr Schutz und Unterstützung gegeben – aber Heimat ist dort, wo ihre Erinnerungen liegen.

Wir sind sehr dankbar, Frau B. auf ihrem Weg begleiten zu dürfen. Die Geschichte von Frau B. zeigt: Es ist nie zu spät. Es ist nie zu schwer. Und man ist nie allein.

Wir wünschen Frau B. weiterhin alles Gute für ihren privaten und beruflichen Lebensweg!