Viele Menschen kommen nach Deutschland, lernen Deutsch, bestehen Kurse – und stehen trotzdem vor einer unsichtbaren Hürde. Unsere neue AVGS-Maßnahme COSA (Coaching – Orientierung – Sprache – Arbeit) von Ingeus setzt genau dort an, wo klassische Sprachkurse oft enden. Im Gespräch erklärt die Finance Managerin, Madeleine Grage, warum Sprache erst durch Anwendung wirklich entsteht – und wie aus Unsicherheit Selbstvertrauen wachsen kann.
Ingeus begleitet seit vielen Jahren Menschen auf ihrem Weg in Arbeit. Viele haben bereits Sprachkurse absolviert – warum reicht das oft nicht aus?
Viele unserer Kundinnen und Kunden haben tatsächlich schon viel gelernt. Sie haben Zeit investiert, Prüfungen bestanden und verfügen über ein solides sprachliches Fundament. Und trotzdem erleben wir immer wieder, dass sie sich im entscheidenden Moment nicht sicher fühlen. Die Sprache ist theoretisch vorhanden – aber sie wird noch nicht selbstverständlich genutzt.
Gerade in Situationen wie einem Vorstellungsgespräch oder einem ersten Telefonat fehlt oft der Mut, einfach zu sprechen. Diese Lücke ist völlig verständlich, denn zwischen Lernen und Anwenden liegt ein großer Unterschied. Die neue AVGS-Maßnahme COSA ist genau daraus entstanden: Menschen dabei zu unterstützen, solche Hemmnisse zu überwinden.
War das der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Maßnahme COSA?
Ja, absolut. Wir haben sehr bewusst darauf geschaut, wo wir Menschen noch besser unterstützen können. Dabei wurde schnell klar, dass wir Sprache und Bewerbungscoaching stärker miteinander verbinden müssen.
Denn im echten Leben passieren diese Dinge nicht getrennt voneinander. Niemand führt ein Bewerbungsgespräch losgelöst von Sprache – und niemand lernt Sprache ohne einen konkreten Kontext wirklich nachhaltig. COSA bringt all das zusammen und macht es im Alltag erlebbar.
Was passiert in der AVGS-Maßnahme COSA konkret anders als in einem klassischen Sprachkurs?
Der größte Unterschied liegt im Praxisbezug. Unsere Teilnehmenden lernen die Sprache nicht isoliert, sondern wenden sie direkt in realistischen, berufsbezogenen Situationen an.
Sie üben, wie sie sich vorstellen, wie sie ihren Lebenslauf erklären oder ihre Stärken beschreiben. Gleichzeitig bauen sie gezielt ein berufsbezogenes Vokabular auf, das sie direkt in ihrem angestrebten Arbeitsumfeld anwenden können. Sprache wird so nicht nur gelernt, sondern konkret für den beruflichen Alltag nutzbar gemacht.
Dabei werden sie nicht nur sprachlich begleitet, sondern erhalten auch ein intensives Job- und Bewerbungscoaching. Sie lernen, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert, wie sie passende Stellen finden - und sich strategisch bewerben. Dieser direkte Bezug zur Realität verändert viel. Es entsteht nicht nur Wissen, sondern echte Handlungssicherheit.
Welche Rolle spielt Selbstvertrauen in diesem Prozess?
Eine sehr große. Viele Menschen kommen mit dem Gefühl zu uns, nicht gut genug zu sein – vor allem sprachlich. Wenn sie dann zu sprechen beginnen und erleben, dass sie verstanden werden, passiert etwas sehr Wichtiges: Sie gewinnen Vertrauen in sich selbst. Dieser Moment ist oft leise - aber er verändert alles. Aus Zurückhaltung wird Schritt für Schritt Aktivität. Aus Zweifeln entsteht Mut. Und genau dieser Mut ist entscheidend für den Einstieg in den Arbeitsmarkt.
Es geht also um mehr als nur einen Job?
Ganz klar. Arbeit ist ein wichtiger Teil, aber es geht um viel mehr: Es geht um nachhaltige Teilhabe. Sprache ermöglicht es uns, Beziehungen aufzubauen, uns einzubringen und unsere Geschichte zu erzählen. Wer sich ausdrücken kann, fühlt sich weniger allein und mehr als Teil der Gesellschaft. COSA stärkt genau dieses Gefühl. Es geht nicht nur darum, eine Stelle zu finden, sondern auch darum, im Alltag anzukommen und Sicherheit zu gewinnen.
Was wünschst du dir für die Teilnehmenden dieser AVGS-Maßnahme?
Ich wünsche mir vor allem, dass sie erkennen, was in ihnen steckt. Viele bringen so viele Fähigkeiten, Erfahrungen und Stärken mit. Wenn es uns gelingt, ihnen die Sicherheit zu geben, diese auch zu zeigen und auszudrücken, dann haben wir sehr viel erreicht.
Wenn du COSA in einem Gedanken zusammenfassen müsstest – wie würde er lauten?
COSA ist der Moment, in dem aus gelernter Sprache gelebte Sprache wird – und in dem Menschen spüren, dass sie gehört werden und ihren passenden (Arbeits)Platz finden können.
