Als Frau Y. nach Ausbruch des Krieges aus Kiew nach Deutschland kam, war sie allein mit zwei Kindern. Hinter ihr lag ein Leben voller Stabilität und Erfolg. In der Ukraine war sie eine anerkannte Finanzdirektorin, leitete Teams, traf wichtige Entscheidungen, war gefragt und respektiert. Sie war selbstbewusst, sicher, stark.
Mit dem Krieg kam nicht nur die Flucht, sondern auch schwere gesundheitliche Probleme, die ihr fast die Kraft nahmen. Neu anfangen in einem fremden Land – ohne Sprache, ohne Unterstützung, ohne ihr früheres berufliches Fundament – war ein Schritt, der Mut kostete. Sie begann Deutsch zu lernen, sie kämpfte, doch sie konnte die B1-Prüfung nicht bestehen. Und in diesem Moment wurde ihr Schmerz sichtbar: nicht wegen eines Zertifikats, sondern weil sie glaubte, ihre Professionalität verloren zu haben.
Doch wir bei Ingeus sahen ihre Stärke und Kompetenz. Wir wussten: Frau Y. ist eine Frau, die führt, strukturiert, denkt, Verantwortung trägt. Sie braucht nur die Chance. Am 01. August 2025 begann sie ihre Arbeit als Bürogehilfin in Vollzeit. So steht es im Vertrag.
Doch die Realität erzählte eine andere Geschichte: “In Wahrheit geht meine Arbeit weit über die Bezeichnung ‚Bürohilfe‘ hinaus. Sehr schnell bekam ich mein eigenes Büro – das frühere Büro der Chefingenieurin. Und tatsächlich übernehme ich heute große Teile ihrer Aufgaben.”
In kürzester Zeit verstand Frau Y. Abläufe, optimierte Prozesse, brachte Ordnung in Zahlen und Struktur in Entscheidungen. Denn sie arbeitet zuverlässig, genau, verantwortungsvoll.
“Ich komme zur Arbeit, auch wenn es mir körperlich nicht immer 100% geht. Ich möchte mein Team nicht im Stich lassen. Wenn es Fristen gibt, dann halte ich sie ein.”
Für viele ist Arbeit „nur Arbeit“. Für Frau Y. ist sie Würde. Selbstständigkeit. Rückkehr zu sich selbst.
Wir bewundern diese Frau zutiefst. Und wir wissen: Sie muss nicht erst wieder leuchten lernen – sie tut es bereits.
Wir wünschen Frau Y. weiterhin alles Gute, sowohl im Privat- wie auch im Berufsleben.